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Mittwoch, 4. September 2013

Selbstmord

Es scheint ein Tag wie jeder andere zu sein.

Ich schlage die Zeitung auf um mir den medialen Quatsch der Presseleute wieder einmal anzutun. Der Glaube an eine objektive, ehrliche Berichterstattung ist mir längst abhanden gekommen.

Egal. Zum Kaffee sehe ich mir die Schlagzeilen an.

Wieder ein Selbstmord in der #JVA #Saarbrücken.
Ein 36jähriger in Untersuchungshaft. Tot. Aus die Maus.

Da denke ich daran, wie es vielen der Inhaftierten gerade in der #Untersuchungshaft ergeht.

Der Bürger meint immer das im #Knast sei so eine Art Kur. Leider weit gefehlt. 23 Stunden Einschluss in einer sechs qm Zelle. Eine Stunde Hofgang mit anderen Gefangenen die man vorher nie gesehen hat und die vielleicht ganz üble Sachen - Verbrechen - am Hals haben.

Viele "Normalos" ohne Hafterfahrung werden durch die Inhaftierung von der Straße genommen und wie ein Tier eingepfercht.

Als Abwechslung gibt es nur die Freistunde und Fernseher. Ansonsten ist man mit seinen Gedanken allein.

Weg sind die vielleicht jahrzehntelang geübten und gewohnten sozialen Kontakte. Zur Ehefrau, Eltern, Kindern und freunden.

Die Kommunikation als menschliches Grundbedürfnis, die menschliche Wärme wird ad hoc durch die Haft unterbunden und der Gefangene ist auf das Briefeschreiben und die wenigen Besuche angewiesen.

Und das hier die Briefe gerade in der U- Haft oft Wochen unterwegs sind, interessiert niemanden.

Die Sozialarbeiter in der #JVA sind viel zu wenige um dem Andrang an Vormeldern zu Gesprächen ernsthaft Herr zu werden.

Also heißt es für die Gefangenen, allein mit den Gedanken. Eingeschlossen, eingefroren. Vergessen und Spielball dessen was kommen wird.

Das ist ein Zustand, der sicherlich häufig zu suizidalen Gedanken führt. Mich wundert es eigentlich, dass die Rate der Suizide in den JVA nicht viel höher ist.

Ein Jedermann möge sich mal vorstellen, derart ad hoc eingefroren zu werden. Lassen wir die Schuld mal weg und denken an die Leute - die gibt es - die nach Monaten aus der Haft entlassen und später freigesprochen werden.

Glaubt Ihr, irgendjemand von der Justiz entschuldigt sich für die - dann unberechtigte - Haft ?

Nein. Niemand. Es gibt die lächerliche Haftentschädigung und die Akte wird geschlossen. Das persönliche Schicksal interessiert nicht.

Egal auch, ob durch Haft Familie, Freunde etc. verloren gehen und man vor dem Nichts steht.

Persönliche Tragik aber uninteressant.

Das macht mir schon seit längerem Kopfschmerzen und ich denke nur zu oft in den Strafverhandlungen, dass auch mal die Richter und Staatsanwälte sich mal für wenigstens eine Woche wegschließen lassen. Ohne Vorbereitung so quasi als Praxiserfahrung.

Ich bin mir sicher, dass würde bei vielen die Einstellung zur Haft ändern und es würde weniger schnell gerade U-Haft beantragt werden.

Immerhin sind wir alle Menschen und sollten uns daher auch so verhalten. Und dabei wäre es aus meiner Sicht wichtig zu wissen was es heißt, Haft zu verhängen.

Nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Damit wir alle unsere #Freiheit und die der anderen zu schätzen wissen.

Respektvoll in Wahrung des Legalen.

Hierbei sollten wir auch nicht vergessen, dass durch Haft noch niemand zu einem besseren Bürger wurde. Erst recht nicht zu einem angepassten Bürger. Im Gegenteil. Die meisten meiner Mandanten haben durch die Knastkontakte erst gelernt wie man Fehler bei Straftaten künftig vermeidet... .

Lehrmeister gibt es ja genug in Haft.

Mein Beileid und Mitgefühl der Familie des Suizidierten.