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Donnerstag, 16. Mai 2013

Bitte nehmen Sie mich fest.

Diese Woche ist wieder mal geprägt von vielen Anrufen und Terminen.

Komisch das immer die gleichen Leutchen anrufen. Komisch, dass diese Leutchen auch immer wieder die selben Probleme haben.
Aber hey, keine Sorge. Ich helfe doch gerne.

Die Grenze zwischen Anwalt, Sozialarbeiter und Psychotherapeut ist meiner Erfahrung nach ja eh fließend.

Dann noch die Verhandlungen die auch noch so laufen.
An was erinnere ich mich noch.

Montag: 
Zwei Angeklagte. Verdacht bei einem Schrotthändler eingebrochen zu sein und 110 Katalysatoren geklaut zu haben.
Komische Sache. Die Kats waren immerhin in einem Container aufbewahrt und vor den Containern stand eine Sperre aus Beton. Geschätztes Gewicht den Zeugen nach, nicht unter einer Tonne.

Die Angeklagten waren aber keine Bodybilder und konnten auch keine Ameise oder sonst ein Fahrzeug benutzen.
Nur, wie sollen die den Betonblock wegbekommen haben ?
Sehr merkwürdig. Gerade auch weil die Angeklagten die Tat mit Vehemenz bestreiten und darauf hinweisen, dass die Tat ein "Insinder" des Schrotthandels begangen haben muss. Wer sonst hätte wissen können, dass gerade in dem einen von zig Containern die Kats waren ? Wer sonst hätte Gerät herschaffen können, um die Betonsperre zu verschieben ?

Komisch. Die Angeklagten hatten die Kats versucht zu verkaufen. Aber deren Einlassung nach, waren die Kat kein Diebesgut sondern "ehrlich an der Straße gesammelt".
Und nun gehen die Angeklagten zu einem Aufkäufer und der ruft die Polizei. Eben weil die Fahndung draußen war.
Aber was macht die Polizei ? Na ja. Sie bestellt den angeblich geschädigten Schottplatzhändler ein und der erkennt.....ta ta ... einen Auspuff wieder.

Also gibt die Polizei ihm flugs alle 110 Kat zurück die der gleich für über 10.000 Euronen verkauft.

Gutes Geschäft. Eigentlich hätte ich erwartet, dass der den Kat bekommt den er erkannt hat aber nicht mehr... . Das wird wohl noch eine interessante Sache werden. Die Sache wird fortgesetzt und wir warten mal ab was für Zeugen noch was sagen werden.

Dienstag:
Was war denn da ? Nur so eine übliche Strafverteidiger - Kleinigkeit. Vierter Anlaufversuch vor der Strafkammer. Anklage kann verlesen werden; Verhandlung findet statt da der Mandant endlich erscheint. Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Klar, sonst wäre er ja da.
Vorwurf: Handel mit Amfetamin. Menge 12 KG. Na, das ist doch was.
Aber vorher schon gut Vorbereitungshandlungen durchgeführt und es gab nur 2 Jahre und 3 Monate. Das ist doch mal was. Der Kenner wird sehen, dass dies sehr gering ist. Klar, keine Bewährung. Aber der Angeklagte saß schon drei Monate in Haft und die werden abgezogen so dass noch zwei Jahre bleiben, die er - wenn es passt - mit einer Drogenentzugstherapie ableisten kann.

Passt.
Danach noch eine Körperverletzungssache vor dem Amtsgericht. Aber der Zeuge / das Opfer lässt dem Gericht mitteilen, dass er wieder in Russland lebe und nicht kommen würde. Also haben wir die Sache mal schnell eingestellt.
Auch gut. Sehr gut sogar.

Besser gehts nicht und der Mandant ist happy. Was will Anwalt mehr ?

Mittwoch:
Mandant in Untersuchungshaft. Zig Fälle von schwerem Diebstahl. Beschaffungskriminalität. Der Mandant ist hafterfahren was es auch mir leichter macht. Verlesen wurden so 15 Anklageschriften die alle verbunden wurden. Also schnürten wir ein Gesamtpaket mit 18 Monaten Freiheitsstrafe. Das ist wenig und passt in jedem Fall. Der Mandant hatte mit drei Jahren gerechnet und ich auch froh, dass er auf meine Vorgehensweise gehört hatte... . Gut so.

Dann noch ein Mandant der - was er und ich wusste - mit Haftbefehl gesucht hatte. Der Mandant hatte aber keine Lust mehr auf Flucht.
Also bereite ich alles vor und bestelle den Mandanten zum Amtsgericht wo auch der Haftrichter sitzt. Der Mandant kommt mit Sack- und Pack. Eben alles, was man für die Haft braucht. Fernseher, Musik und Geld für die Verplombung. Profi halt.
Er kommt und ich rufe die Kripo an, dass der Mandant nicht mehr gesucht werden müsste. Er würde mit mir beim Amtsgericht auf dessen Festnahme warten.

Die Beamten waren recht erstaut. Es ist schon ungewöhnlich dass sich ein Flüchtiger stellt. Noch ungewöhnlicher, dass der Verteidiger die "Übergabe" im Haus des Haftrichters organisiert.

Aber hey, das ist doch mal eine Strafverteidiger - Dienstleistung.

Also, liebe mitlesende Polizei- und andere Staatsbeamten.

Anwalt Nozar kann auch mal nett sein. Ok. Selten, aber manchmal geht das. Also prügelt nicht immer - verbal - auf mich ein... .

Aber auch egal. Bis dann.