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Sonntag, 31. März 2013

Revolution der Haft

Heute ist Ostersonntag. Ein Tag der Besinnung.

Und zum Bloggen.

Also poste ich mal, was ich schon lange vor hatte:

DIE DEUTSCHEN HAFTBEDINGUNGEN.

Erst vor drei Tagen hat sich - wieder - mal ein Häftling in der Justizvollzugsanstalt Saarbrücken erhängt. Suizidiert.

Mit 23 jungen Jahren sah er offenbar keinen Sinn in einem weiteren Leben.

Sicherlich. Das ist kein Einzelfall. Leider. Die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher als wir alle vermuten können.

Nur wir erfahren es nicht. Oft berichten mir aber inhaftierte Mandanten, dass "wieder mal einer mit den Füßen nach vorne" die Zelle verlassen hat.

Stellen Sie sich das mal vor:

Ein Zelle ist zwischen sechs und acht qm groß. Ein Bett, direkt neben dem Bett das Klo.

Klar. Es gibt Heizung, Strom, Vollverpflegung und alles was man "zum Überleben" braucht.

Denkt man. Denn gibt es wirklich alles ?

Nein. Mit Sicherheit nicht. In der U-Haft sind die Gefangenen meist 23 Stunden ununterbrochen in deren Zelle eingeschlossen.

Allein mit deren Gedanken. Ohne Kontakt zur Außenwelt.

Selbst wenn man viel schläft und viel Fernsehen schaut. Das ist keine KOMMUNIKATION. Aber braucht nicht jeder Mensch Kommunikation um menschenwürdig zu existieren ?

Ich meine JA. Da reicht auch eine Freistunde und ein gelegentliches Telefonat nicht aus. Die Einsamkeit kann einen zerstören. Und gerade einen jungen Menschen.

Eine nette Zusammenstellung hierzu liefert Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenmenschliche_Kommunikation

Schon hier ermangelt es der tatsächlichen Haft massiv. Sozialarbeiter sind spärlich zu finden und werden mangels finanziellen Mitteln schlicht zu häufig eingespart.

Andersherum erwartet "das deutsche Volk" eine gewisse Resozialisierung der Gefangenen. Zumindest der Strafgefangenen.

Das ist eine Farce. Gebessert hat sich meiner Erfahrung nach nach langer Strafhaft noch niemand. Im Gegenteil.
Die Personen, die Jahre lang mit anderen Gefangenen zusammensitzen planen keine strafreien Jahre.

Nein, der nächste Coup wird geplant und ausgeheckt. Die richtige Mannschaft im Gefängnis zusammenzubringen ist ja auch nicht so schwer... .

Ich bin der Ansicht, dass unser Strafvollzug grundsätzlich geändert werden muss.
Es ist für mich nicht erträglich, dass gerade - oftmals pädophile - Sexualstraftäter in der Haft gehätschelt und getätschelt und oftmals übertherapiert im Wohngruppenvollzug werden, andere Täter jedoch schlicht oft als vergessen bezeichnet werden können.

Sicherlich brauchen wir eine Strafsystem, welches Schwerstkriminelle durch Haft deren Taten und der Bevölkerung entzieht.

Aber gerade in Vermögensdelikten ist eine Haft oft Unsinn. Welcher Bankdirektor wird zum Beispiel nach Untreuehandlungen und langer Haft ein besserer Mensch ?

Niemand. Gerade Personen mit guter Ausbildung und "guter Herkunft" sind den Bemühungen von Sozialarbeitern und Bewährungshelfern oft nicht nur von der Persönlichkeit sondern auch von der Intelligenz und Erfahrung "über".

Hier scheitert das System in der Annahme, jeder staatliche Beauftragte sei "intelligenter" als jeder Straftäter.

Das Gegenteil ist oft der Fall und das System versagt.

Daher bin ich der Ansicht, dass es gerade bei Vermögensdelikten sinnvoller wäre eine Art elektronische Fußfessel als Auflage zu geben.

Oder bei Kurzzeitstrafen; vielleicht sogar bei Untersuchungshaft generell ?

Denn gilt nicht jeder bis zur Verurteilung qua Gesetz als unschuldig ? JA.

Ist es da denn überhaupt vertretbar durch eine oftmals übereilig verhängte Untersuchungshaft Existenzen mit einem Schlag zu vernichten ?

Klar ist doch, dass durch eine U- Haft der Arbeitsplatz verloren geht, die Wohnung gekündigt wird und Familien ins Elend stürzen weil oft der Hauptverdiener wegfällt.

Andersherum profitieren diejenigen Bürger, die von Hartz IV und anderen Sozialleistungen leben. Hier zahlt das Amt sogar bis zu sechs Monaten die Miete.

Aber das der arbeitende Bürger demjenigen Dumm - Bürger bestraft und benachteiligt wird, der nicht arbeitet und die "soziale Hängematte" auskostet, ist ein anderes Thema... .

Von daher sollen sich unsere Politiker mal Gedanken machen, ob unser Strafsystem noch zeitgemäß ist.

Leider fehlt aber den Knackis jede Lobby, so dass wir unser antiquiertes System beibehalten und durchschleifen.

Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn an dem Thema zumindest gearbeitet wird und versucht wird, Alternativen zu entwickeln.

Sicherlich. Auch ich habe kein Generalrezept. Aber das ist ja auch nicht mein Job. Mein Auftrag kann nur ein Wachrütteln sein. Und das versuche ich ja ab und zu mit meinem Blog... .

RIP dem jungen Suizidierten. ...