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Sonntag, 3. Februar 2013

das doppelte Lottchen und die Justizposse

Das doppelte Lottchen und der sichere Freispruch.

Das wäre ein Titel.

Oder "Wie sehr darf sich die Justiz zu Lasten Unschuldiger irren ?".

Auch das würde passen. Jedenfalls wissen wir alle, das es keine Gerechtigkeit gibt. Jedenfalls nicht hier in Deutschland.

Ok. Das ist ein alter Hut.

Aber einen interessanten Fall habe ich vor einem Amtsgericht letzte Woche.

Angeklagter war ein Sven Albers (klar, der Name ist fiktiv).
Er soll einen anderen geschlagen und getreten haben.

Der gute Sven wird unmittelbar nach der Tat befragt und beruft sich auf Notwehr. Auch in den Vernehmungen der nächsten Tage beruft er sich auf Notwehr.
Leugnen an sich wäre zwecklos, da er bei frischer Tat betroffen und von zig Leuten erkannt wurde.

Nachdem Sven also zig mal bei der Polizei ausgesagt hatte, ist Schweigen im Walde.

Nur der Bruder von Sven, der Jens, bekommt als Student dann eine Anklageschrift mit dem Vorwurf der Körperverletzung so wie es Sven ja schon eingeräumt hatte.

Nur Jens hat mit der ganzen Sache nichts zu tun.

In der Anklage war kein Sven mehr vorhanden; das Geburtsdatum war dasselbe wie von Sven.

Denn sie sind Zwillinge.

Also gehen wir mit Jens zu Gericht. Und beichten der Richterin, dass in der Akte wie auch immer auf einmal Sven bei Schreiben der Anklage zu Jens wurde.

Auch die Richterin hatte das beim Eröffnungsbeschluss in der Akte offenbar nicht gelesen, sonst wäre das gemerkt worden.

Die Richterin fragte dann Jens, warum er sich denn nicht vorher gemeldet hätte um das aufzuklären.

Jens aber als Student meinte nur "Verehrte Richterin, wenn die Justiz so schlampig arbeitet, hatte ich kein Vertrauen darauf, dass mein Anruf auch richtig bearbeitet wird und ich womöglich noch im Hörsaal der Uni festgenommen werde".

"Wohl wahr" meinte die Richterin "das hätte geschehen können".

Dennoch zogen wir die Beweisaufnahme durch.
Obschon es klar war, dass ein Freispruch raus kommen musste und mir die Richterin klar signalisierte, dass ich keine Anträge stellen müsse... .
Wir waren uns also früh einig.

Denn die Zeugen / Opfer waren nicht unbekannte Gäste der Justiz. Und als die dann Jens als Sven "eindeutig" identifizierten, war auch der Verteidiger an der Reihe den Zeugen kräftig ob deren Wahrheitspflicht einzuheizen.

Also quälten wir die Zeugen und sprachen dann - anders ging es nicht - frei.

Herr Staatsanwalt war sichtlich irrtitiert ob dieser Justizposse und fragte die Richterin, was denn nun mit dem Täter Jens sei.

Frau Richterin meinte aber nur "Wo kein Kläger, das kein Richter. Die Sitzung ist geschlossen".

Grinsend meinte die Richterin dann beim Rausgehen zu mir, das dies ja mal wieder "typisch Nozar" gewesen sei... .

Wir mögen uns halt.

Zwilling sein ist wohl doch nicht immer nur vorteilhaft... .