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Sonntag, 10. Februar 2013

das belastet einen Verteidiger und @lapddorner #lapddorner

Die Gedanken aus den Strafverhandlungen fangen auch einen Verteidiger oft noch Tage danach.
So geht mir die Steuerhinterziehungssache vor einem Schöffengericht nicht aus dem Kopf.

Der Mandant war Mitgeschäftsführer einer GmbH.
Die Mitgeschäftsführerin war zuständig für Steuern etc. Halt für alles was mit Zahlen zu tun hat.

Der Mandant selbst war im Außendienst und kümmerte sich um das Personal.

Er gibt an, von den nicht abgeführten Steuern erst erfahren zu haben, als es zu spät gewesen sei.

So die Kurzfassung.
Was belastet ist aber das Rechtsgespräch. Der Staatsanwalt war der Ansicht, dass die Einlassung des Mandanten ein Geständnis sei. OK.
Auf meinen Einwand, dass noch der Steuerberater gehört werden müsste (am Rande die Frage, warum nicht gegen diesen ermittelt wurde, blieb offen... ), hieß es dann, es könnten ohne weiteres auch über zwei Jahre Freiheitsstrafe werden... .

Also ohne Bewährung.
Aha. Nur, wenn genickt wird, gibt es Bewährung und wenn der nicht vorbestrafte Mandant aber eine umfassende Aufklärung haben will, dann nicht ?

Denken so Staatsanwälte ?

Ich habe da meine Schwierigkeiten mit und muss das dem völlig entsetzten Mandanten vermitteln.
Aber wie vermittelt man das einem gestandenen Geschäftsmann ohne vorherige Berührungspunkte mit der Justiz ?

Die Frustration beim Mandanten sitz tief ob dem Kontakt mit der gerechtigkeitssuchenden Gerichtsbarkeit und ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl.

Da der Mandant auch nichts mehr zu verlieren hat, mit dem Urteil in jeder Hinsicht ruiniert wäre, habe ich echte Befürchtungen, dass er sich nun suizidiert.

Jedenfalls wundert es mich nicht, dass keiner mehr den Mut hat sich selbstständig zu machen und ein Unternehmen aufzubauen.
Das Risiko in das Räderwerk der Justiz zu geraten und dann ohne Rücksicht auf Verluste und Persönlichkeit "zermalmt" zu werden, ist nicht mehr greifbar.
Und persönliche Schicksale sind den Strafverfolgungsbehörden egal.

Da denke ich an den Mandanten, der lange in U-Haft wegen Totschlag saß und dann freigesprochen wurde.

Liebe Leser, glaubt nicht, der hätte auch nur ein kurzes "Entschuldigung" für den Verlust seiner Freiheit, seiner Arbeit, seiner Wohnung, seiner Beziehung etc erhalten.

Nichts. Gar nichts. Keine Entschuldigung von der Justiz, gar nichts.

Das ist die Realität, die Menschen brechen kann.

Und dann beschäftigt mich die Sache mit #lapddorner.

Es ist ohne Zweifel falsch, Menschen zu töten.
Aber warum ist Dorner so frustriert ? Was steckt dahinter ?

Ich kenne die Einzelheiten nicht, sondern nur die Presseberichte und seine Twitter - Einträge zu @lapddorner.

Was, wenn nur ein Bruchteil von dem was er in seinem Manifest schreibt, der Wahrheit entspricht ?

Ich halte dies nicht für abwegig. Denn auch hierzulande ist es doch ein ungeschriebenes Gesetz, dass Beamte und gerade Polizeibeamte besonders glaubwürdig - gerade als Zeugen - sind.

Dass solche Justiz - Zeugen (im Gegensatz zu Normalos, die keine Aktenauszüge haben oder besorgen können) deren Aussagen aus den Akten immer schön vorher noch mal durchlesen können (und dann meist tolle Erinnerungen haben), ist unverständlicher Justiz - Usus.

Das System krankt zu oft an dem unbeirrbaren Glauben des "Was nicht sein kann, nicht sein darf". 

Und dafür bedarf es Verteidiger, die ihren Job ernst meinen und auch wirklich "verteidigen".

Es mag die Ausnahme sein; aber ich plädiere gerne dafür, dass sich Beamte aller Coleur mal im "freien Kampf" der Berufstätigkeit bewähren sollten.

Da kämen bestimmt viele vom hohen Ross runter.

Aber das wird sich nie ändern. ... Ich jedenfalls glaube nicht an den Ethos genannt Gerechtigkeit.

Ich hoffe daher nur, dass @lapddorner nicht durch einen "dummen Fehler" einen finalen Fangschuss kassiert und die Akte damit geschlossen wird.

Verwundert wäre ich aber nicht.


Ach ja, wenn jemand das Manifest von Dorner lesen will, here it is:

Manifest Christ Dorner


Bildet Euch selbst eine Meinung, ob das einen "wirren Eindruck" macht.
Ich denke, das ist nicht wirr. 

Da spricht die Verzweiflung gegen ein System.