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Sonntag, 13. Januar 2013

im Namen des Volkes

Heute morgen ist es kalt. Richtig kalt.

So kalt, wie oft in den Gerichtssälen unserer holen #Justiz.
Wir klagen an, wir verhandeln und wir verurteilen.

Das persönliche Leid, die persönlichen Folgen sind meiner Meinung nach den Richtern nur zu oft schlicht völlig egal.
Werden diese geschildert, werden diese hingenommen. Aber ernsthaft Gedanken ?

Meist nie. Nur in Ausnahmefällen. Das mag eine professionelle Einstellung sein, ist aber wider jeder modernen, emphatischen Justiz.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich den Mandanten zuhöre und zu verstehen suche.
Nur zu oft gibt es eine Wahrheit zwischen der gerichtlich festgestellten Wahrheit die aber schlicht niemanden wirklich interessiert.

So kommt es dann mehr oder weniger zu Fehlentscheidungen. Diese zu vermeiden ist Aufgabe - als Teil, versteht sich - eines Strafverteidigers.

Aber auch dieser Begriff wird überstrapaziert. Jeder Anwalts- Neuling mit einer Strafsache nennt sich heutzutage #Strafverteidiger.

Das - liebe Kollegen - reicht aber nicht. Nein. Ein Strafverteidiger muss auch bereit sein, "zu kämpfen".
Sprich: seinen Mund auf zu machen, sich zu Wort melden und - das ist wichtig - durch Anträge versuchen das Verfahren in eine Richtung zu bringen die dem Verteidigungsziel entspricht.

Dem Ziel der Gerechtigkeit. Denn wenn ich als Verteidiger nicht an diesen Ethos Gerechtigkeit glaube, sollte ich den Job nicht machen.

Hierzu gehört auch allzu oft, das es Frustrationserlebnisse gibt.
Aber auch das halte ich für Jobimmanent.

Genauso die Typen der Mandanten. Manchen kann man glauben und schenkt ihnen Selbigen.

Manche sind durchtrieben- meist mit Knasterfahrung- und versuchen zu manipulieren, zu steuern.

Oder zu erpressen, um eigene, nazistische  oder weltfremde Ziele zu erreichen. Die Bandbreite ist groß. Sehr groß. So groß wie die Menschheit.

Erinnern wir uns an den netten Spruch:

Die Umgebung, in der der Mensch sich den größten Teil des Tages aufhält, bestimmt seinen Charakter.

(Thomas von Aquin)


Das ist zutreffend. Und wenn jemand zu oft oder zu lange im Kittchen saß, ist sein Geist meist hiervon geprägt.

Ob gewollt oder nicht.
Aber Thomas von Aquin hat Recht. Denn auch wir Juristen werden durch die Dauerverwahrung in Gerichtssälen, dem Dauerkontakt mit dem vermeintlichen "Gegner" geprägt.

Oft. Zu oft.

Besinnen wir uns auf das Mensch - Sein und seien wir bemüht auch als Menschen zu leben.

So gut wie es einem jeden gelingt. Nicht immer perfekt, aber stets bemüht.

Das vergessen wir leider immer im Alltag. Mir kamen die Erinnerungen wieder als eigene Läuterung, nachdem ich letzten Donnerstag die Beerdigung eines guten Freundes aus Kindertagen habe miterleben (müssen).

Ich mag keine Beerdigungen in Deutschland. Da ist zuviel Trauer und kollektiver Schmerz.
Lieber wären mir fröhliche Gedanken, fröhliche Stimmung und ein positives Andenken.

Egal. Nun ist er unter der Erde und dieses Schicksal droht uns allen. Irgendwann. Verhofft oder unverhofft. Das sollten wir nie vergessen.

War dieser Blogbeitrag wieder zu persönlich ?

Jedenfalls nicht "im Namen des Volkes", sondern als persönliche Ansicht.

Wider der täglichen Verlogenheit.