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Dienstag, 4. Dezember 2012

Festgenommen !

Noch nicht einmal Mittwoch. Und schon habe ich das Gefühl, der Akku ist leer.
Was diese Woche schon für ein Termindruck war. Unfassbar.
Termine bis in die späten Abendstunden und nicht Fristen die auf Bearbeitung warten.

Und zig Mails, die noch unbeantwortet im Eingang lagern. Aber auch ich kann mich nicht zweiteilen. Sorry und Bitte um Verständnis.

Dann wollte ich eigentlich schnell noch was in einem Lokal an Essen fassen, aber wieder nicht.

Wieder mal eine unvorhersehbare Festnahme von Mandanten. Die Zeitungen überschlagen sich mit Berichten, dass wieder mal "böse Rocker" wegen des Verdachts des bandenmäßigen Drogenhandels aufgeflogen sind.

Das liest sich immer so leicht. Und diese Leichtigkeit mag bei einigen Bevölkerungsgruppen auch ausgeprägt sein.

Auch die Spielchen "guter Bulle, böser Bulle" werden irgendwann langweilig.
Aber irgendwie scheinen die Ermittler immer zu meinen, dass sie alle Trümpfe in der Hand haben... .

Nicht, dass das im Laufe des Verfahrens mal zu einer bösen Überraschung in der Beweiskette wird.

Aber mal sehen.
Jedenfalls bringt jede Verhaftung massig Arbeit für jeden Verteidiger mit. Nicht nur die Sachverhaltserfassung. Nein. Das ist nur ein Teil. Ebenso wie die Gespräche mit dem Mandanten, für den die Haft auch ungewohnt ist und sich erst mal an das neue Lebensumfeld gewöhnen muss.

Das bedeutet aber auch für die Familien massive Einschnitte, die meist plötzlich kommen.

Macht sich eigentlich mal jemand von staatlicher Seite, was ein flugs vollstrecker Haftbefehl an persönlichem Leid für Frau, Kinder, Eltern, Freunde etc. bedeutet ?

Nein. Das habe ich noch nicht erlebt. Job ist Job. Und Knast ist Knast. Also sperren wir weg was weg gehört. Ohne uns Gedanken über Folgeschäden zu machen.

Aber wen interessiert schon eine einsame  Seele ?

Niemanden. Außer mich. Ich kann nicht anders. Und ich will  nicht anders. Ein wenig Ethik und Loyalität muss sein.

Auch wenn sich im Nachhinein jüngst wieder herausgestellt hat, das man am Besten nie helfen sollte. Nein. Man bekommt es sowieso nicht gedankt.

Aber später ist man immer schlauer. Das man dann aber noch erpresst wird (und nichts anderes sind unbegründete Forderungen aus ethischer Hilfeleistung), ist das allerhand, mit dem man fertig werden muss.

Egal. Das ist die buchstäbliche Durchfallquote im Leben. Und Verbaldurchfall zu lesen, ist Gewöhnungssache. Auch für mich.

Die Leute die Hilfe brauchen, sollen Hilfe von mir bekommen. Sonst könnte ich mir nicht in den Spiegel schauen.

Ehrlichkeit auch was eine Straferwartung sein kann. Klar, viele meiner lieben Berufskollegen erzählen den Mandanten, gerade den Inhaftierten, rosa Schlossgeschichten.

Die Jungs freuen sich und hoffen. Gerade im Knast ist das Prinzip Hoffnung immer da.

Aber was, wenn das rosa Schloss doch keines ist und die Wirklichkeit Einzug hält ?

Dann fallen die Jungs in ein tiefes Loch aus dem fast kein Herauskommen ist. In einer solchen Phase gibt es dann auch - aus meiner Erfahrung - die meisten Suizidversuche.

Daher sage ich von Anfang an, was meine Einschätzung ist. Und wenn ich bei acht, neun oder mehr Jahren Freiheitsstrafe bin, sage ich das.

Wenn es besser wird, gut. Dafür wird gekämpft. Aber wenn nicht, ist das Loch in das man fällt nicht ganz so tief. Aber immer noch tief genug.

Wahrheit, Offenheit und Loyalität.
Viele wissen das zu schätzen (leider nicht alle) und sind dankbare Mandanten über Jahre.

Und so freut es mich ganz klar, dass mir heute wieder gesagt wurde, dass ich kein "gewöhnlicher" Anwalt sei. Ich sei "anders". "Ehrlich und authentisch".

Danke. Das höre auch ich gerne und das gibt die Kraft nach einem langen und zermürbenden Arbeitstag am nächsten Morgen wieder aufzustehen.

Zum Kämpfen für die Verlassenen und Verstoßenen. Ohne große Silberdollar, aber ausreichend zum Überleben.
Auch wenn viele - gerade der Entlassenen - Gefangenen dazu übergehen die Sorgen aus der Haft im Einschluss zurückzulassen und wieder materiellen Dingen nachzuhetzen und so (sei es durch Druck der als Erpressung verstanden werden kann oder durch was auch immer).

Die gerechte Strafe wird jeder bekommen. Früher oder später. Auch jeder Polizeibeamte, der seinen Dienst zu ernst nimmt und jegliche Ethik im Beruf zu Hause lässt.

Aber hey, es gibt auch andere. Gerade Polizeibeamte. Einige geben sich Mühe "Mensch" zu sein. Das ist denen hoch anzurechnen und auch ich bemühe mich, solche Beamte zu ermutigen, diese Menschlichkeit bei allem Übel aufrechtzuerhalten.

Aber diese Sorte stirbt aus.

Ich habe immer mehr den Eindruck, dass nur noch Beamte mit einer Karrieregeilheit an der Front sind und deren persönliches Fortkommen über alles setzen.
Das ist aber auch klar. So berichten mir doch immer öfter Polizeibeamte (die ich als Mensch erkenne), dass das gegenseitige "in die Pfanne hauen" mittlerweile jeden Dienst ausfüllt und nur der nach Oben kommt, der über Leichen geht.

Ein Tribut unserer Zeit. Da gibt es doch einen Spruch der so ungefähr heißt, dass je übler die Menschen miteinander umgehen, je übler die Politik ist desto übler auch die die Polizei und auch die Unfähigkeit von Staatsanwälten und Richtern ist.

Kennt den Spruch jemand ? Mich würde die Originalfassung interessieren.

Da fällt mir ein, dass ich heute auch noch so eine kleine Drogensache am Amtsgericht hatte. Wieder ein Fall von Unfähigkeit des Begreifens von Sachverhalten.

Der Mandant wird mit sage und schreibe 6,1 Gramm Amfetamingemisch angetroffen. Es wird Anklage erhoben und in der Anklage steht ganz klar der Besitz von Amfetamingemisch.

Und jeder weiß, dass ein Gemisch eben keine Reinheit ist.
Aber die Anklage wird schnell gemacht und eine rechtsmedizinische Untersuchung des PEP gab es nie.

Wir wissen also nur, dass es Gemisch war.

Der Mandant lässt sich ein, es sein genau ein Gramm PEP von der Straße. Und hier sind maximal 10% Amfetamin - PEP. Der Rest ist Streckmittel.
Und da der Mandant von der weichen Sorte ist, hat er dieses Gramm noch selbst mit aus der Apotheke gekauften Koffeintabletten gestreckt. Einen Teil konsumiert und wurde eben mit 6,1 Gramm aufgegriffen.

Also reden wir von einem Minimalteil von Amfetamin.

Frau Staatsanwältin hat noch nie was davon gehört, dass PEP auf der Straße gestreckt ist und das man in Europa fast kein 100%iges Amfetamin zu kaufen bekommt.

Sie geht von 6,1 Gramm Reingehalt aus.

Mein Einwand, dass selbst die Anklage von einem Gemisch ausging (andere Dezernentin), hat sie nicht verstanden oder nicht verstehe wollen.

Gut, dann werfen wir eben als Steuerzahler Geld für ein Gutachten raus. Ich zahle ja gerne Steuern.

Was sollst. Fremdes Geld ist immer leicht auszugeben, gelle Frau Staatsanwältin ? Das war schon bei den Kommunisten so und machen unsere Politiker immer.

Also was soll es schon, wenn das Gutachten nachweist, dass es sich um Gemisch handelt und der Mandant die Wahrheit sagt.

Dann trägt die Landeskasse die Untersuchungskosten. Was soll es. Dann weiß ich jedenfalls in einem konkreten Fall, wie meine Steuern verschwendet wurden.

Super. Aber vielleicht denke ich zu viel. Vielleicht schreibe ich auch zu viel. Und vielleicht - oder wahrscheinlich - schreibe ich wieder zu viel und keiner liest das hier.

Muss ja auch keiner. Sind ja bloß meine unwichtigen Tagebuchgedanken. Frei raus und ohne grammatikalische Überarbeitung.

Jeder der Fehler findet, darf sie behalten. Völlig umsonst.

Ich langweile Euch mit meinen Gedanken ? Oder lest ihr meine Gedanken zum Abend gerne ?

Jeder wie er will.

Nur verschont mich mit anonymen Kommentaren. Um so mehr freue ich mich über mutige Namensnennung - Kommentare und grüße Euch in die Nacht.

N8