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Donnerstag, 20. Dezember 2012

Der Schuss

Die Realität ist so abstrus, dass jeder Krimi unglaubwürdig wäre, würde er die Realität zeigen.

Glauben wir doch, dass die Medien übertreiben. Nein. Die Realität ist noch verrückter, wahnsinniger und verlogener. Auf allen Ebenen.

Daher mag ich auch keine Diskussionen über das Thema Gerechtigkeit. Diese gibt es nicht. Nicht in der Realität und erst Recht nicht vor Gericht.

Ich bin sicher, einige Mandanten zu haben, die unschuldig verurteilt wurden, nur weil dem gerichtlichen Spruchkörper im günstigsten Fall die Kenntnisse des Lebens auf der Straße fehlten.

Klar, ich habe gut reden. Aber ich versuche wenigstens zuzuhören, was gerade in Strafverfahren nicht immer der Fall ist. Das wissen alle Praktiker.

Und so werden Leute unschuldig verurteilt und als Verteidiger kann man zwar kämpfen, aber das Urteil wird halt nicht von der Verteidigung verkündet.

Aber anders gesehen gibt es auch viele Leute, die von den Gerichten gut weg kommen und meiner Meinung nach zu viel Glück hatten und ein paar Jährchen zusätzlich verdient hätten.

Aber irgendwann greift dann der Spruch "Was gut ist, kommt wieder" und die Glücksseeligen bekommen dann ein doppeltes Paket.

Ich schweife wieder ab. In Gedanken an Gerechtigkeit und was man dafür je nach Sichtweise halten kann oder auch nicht. Einer ethischen Grundstimmung folgend, die ich mir aber nach einem Frustrationserlebnis mit Mandanten abzutrainieren versuche.
Nein. Die Ethik zu helfen, bringt mir nichts. Mehr.

Oder wie sieht das der Leser ?
Wird einem ehrliche, kostenfreie Hilfe in allen Lebenslagen überhaupt noch gedankt ?

Ich habe das Gefühl, die Gesellschaft verroht immer mehr. Immer mehr Ich - Bezogenheit und grenzenloser Nazismus. Zum Kotzen.

Aber wieder schweife ich ab.

Also zum Kern. Der Schuss ging zwar nicht nach hinten los, aber dennoch in den Gaul.

Der Mandant heute war angeklagt der Sachbeschädigung. Aber nicht einfach so "Ich mache was kaputt".

Nein. Abstrus. Der Mandant ist Jäger und ein Freund von ihm - auch Jäger - heiratet auf dem Dorf. Also kamen die gesamten Jagdgesellen und wollten zum Gruß schießen. Nicht auf das Brautpaar, sondern in die Luft.

Peng.

Das machen die in dem Dorf schon seit Jahrzehnten so und nie gab es Ärger.

Nur diesmal. Denn ein Projektil traf ein paar KM weiter ein auf der Weide stehendes Pferd. Das Pferd wurde tot auf der Weide gefunden und der Eigentümer stand ob des Eintrittsloches lange vor einem Rätsel.

Bis der Tierarzt das Projektil fand und die Polizei einschaltet. Der Dorfpolizist hatte dann auch schon eine Ahnung und alle Waffen wurden untersucht bis klar war, dass das Projektil aus der Waffe des Mandanten stammte.

Mist. Ausrede zwecklos. Gaul ist tot und kostet nun Schadensersatz.
Und eine Geldstrafe, mit der wir das Verfahren "tot" bekommen haben.

War ja so wirklich nicht geplant, gleichwohl vorhersehbar. ... Abstrakt gesehen, womit ich den Kreis wieder schließen kann.


+Dominik N.;
aha. hast dich im kommentar zum nazismus entdeckt. ich erreiche dich nicht (andere Handynummer, andere Adresse ?), melde dich. deine selbstüberschätzung hat dir wieder ein verfahren eingebracht über das wir dringend reden müssen... . so langsam wird es eng.