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Sonntag, 11. November 2012

Grillen mit Gutachter


Wir erleben als Anwälte ja die tollsten Sachen. Nicht nur "wahnsinnige" Termine, "wahnsinnige Mandanten", nein. 

Auch "wahnsinnige" Rechtspflege. 
Und so muss ich einfach von einer Beweisaufnahme berichten, die hier im beschaulichen Saarland Geschichte schreiben wird.

Worum ging es ?

Meine Mandantin ist ein im Saarland recht großer Händler von u.a. Gasgrillen. Die richtig großen, amerikanischen mit großem Deckel.

Nichts besonders. Soweit. 

Leider kann sich auch die Mandatin Kunden nicht immer aussuchen. Es kam also wie es kommen musste. 

Ein Kunde - erwachsen von Körper und vielleicht auch vom Geiste - kaufte einen Grill. 

Und das Elend fäng an. 
Der Kunde lädt Gäste zur Grillparty ein und möchte seinen neuen Grill präsentieren. 
Natürlich auch mit frisch Gerilltem.

Aber das Fest wird zum Reinfall, da das "Fleisch mehr gekocht als gegrillt" werden würde. 

Also geht Herr Kunde zum Anwalt und der rügt einen Mangel.

Wir bestreiten einen Mangel und tragen vor, dass der Grill genau das macht, was er soll. Nämlich grillen. 
Wenn dieser denn richtig und ordentlich bedient wird. 

Im Gütetermin kommen wir nicht weiter und es gibt einen Beweisbeschluss ob der Frage, ob der Grill grillt !

Das hatte auch der Richter noch nicht und ich fragte mich, wie der Gutachter denn ausgewählt werden würde ? Sternekoch, Metallbauer ... ?

Nein. Die IHK hat selbst für solche Fälle Vorschläge und so wurden wir zum Probegrillen geladen. 

Vor Ort, beim Kunden Kläger. 

Was sich da herausstelle, ist wirr und bar jeder Logik:

Der Kunde heizte nicht vor.
Dann ließ der Kunde beim Grillen den Deckel offen, so dass jegliche Hitze entweichen kann.
Zu allem Übel stellte der Kunde dann von High auf Low, sobald das Fleisch auf dem Grill lag.


Klar, dass das so nichts werden konnte. Aber ich frage mich, ob das nicht schon naturbedingte Logik mitgibt, dass es zum Grillen einer gewissen Temperatur bedarf und das Hitze nach oben entweicht. Auch frage ich mich, ob der Kunde denn nie auf die Idee gekommen ist, einfach den Deckel zum Halten der Hitze zu schließen und mehr Feuer zu geben. 

Aber der Kunde meinte Nein, da er eine solche Vorgehensweise nicht in der Aufbauanleitung gefunden hätte. 

Aha. 

Der Kunde bemängelt bestimmt auch sein 200 PS Auto mit der Begründung, es fährt nur 30 KM. Und das nur, weil er das Gaspedal nicht durchdrückt ... . 

Wie kann man so lebensunerfahren sein ? 

Aber ich wundere mich auch über den RA Kollegen, das selbst der ohne Vorheizen mit offenen Deckel auf low den Grill bedienen wollte. 

Lebenserfahrung ? 

Na ja. Jedenfalls hat der Gutachter mal ordentlich vorgeheizt, beim Grillen den Deckel geschlossen gehalten und siehe da:

Ergebnis perfekt. 

Hauptsache geklagt... .