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Freitag, 19. Oktober 2012

Sie sind schuldig, also spreche ich frei

Heute bekomme ich von einem Mandanten ein Strafurteil vom Amtsgericht im Süden des Landes Niedersachsen vorgelegt.

Nun ja. Klar, eine Strafsache.

Der Mandant war geschädigter und seinen Worten nach sei ihm "fast der Schädel eingeschlagen" worden.

Aber der Kollege der vorher damit befasst war, hatte wohl noch nie was von der Möglichkeit der Nebenklage, geschweige denn der Möglichkeit eines Adhäsionsverfahrens gehört.

Der Mandant war perplex, als ich ihm seine Möglichkeiten mitgeteilt hatte. Aber Anwalt ist halt nicht Anwalt.

Jedenfalls lese ich im Urteil gegen die vier mit Pflichtverteidigern vertretenen Angeklagten (Vorwurf gefährliche Körperverletzung):

In der Wohnung der Angeklagten schlug der Angeklagte A den Geschädigten Z mit einem Gegenstand auf den Kopf, wodurch der Geschädigte Z eine Platzwunde auf dem Kopf erhielt, anschließend, schlugen die Angeklagten gemeinsam mit Fäusten auf den Geschädigten Z ein. 

Die Tat war nicht nachzuweisen; so dass ein Freispruch aus tatsächlichen Gründen erfolgte.

Ende der Urteilsgründe.

Da wäre ich gerne in der Nebenklage gewesen.
Aber wie kann der Richter den Tathergang so in den Gründen darlegen und dann FREISPRUCH
verkünden ?

Das soll mal einer verstehen. Schade nur, dass der Mandant sehr schlecht beraten war und nicht mal Rechtsmittel einlegen konnte.