Wir freuen uns über tolle Bewertungen.

Samstag, 18. August 2012

Resozialisierung.

Diese Woche hatten wir im Saarland das Glück, am Mittwoch einen Feiertag gehabt zu haben.

Aber mir hat das nur den halben Tag gerettet, da ich morgens noch einen Termin in einer Strafsache an einem Landgericht in einem anderen Bundesland hatte.

Ist halt so.

Dafür aber eine menschlich, tragische Geschichte.
Der Angeklagte ist seit der Inhaftierung dadurch aufgefallen, dass er wenigstens fünf Alias Namen hatte und sein Geburtsdatum nicht kannte.
In der Verhandlung stellte sich durchaus nachvollziehbar heraus, dass der Junge wirklich seinen echten Namen nicht kennt.
Ebenso wenig sein Geburtsdatum.

Er sei als Kleinkind von "Zigeunern" (den Begriff verwendete der Mandant, ich bitte um Nachsicht) gekauft worden zu sein. Er habe dann in jüngster Jugend seinen Beitrag zur Sippe dadurch geleistet, dass er Drogen geschmuggelt hätte.

Irgendwann sei er dann nicht mehr mitgenommen bzw. zurückgelassen worden. Ohne alles. Denn er sei ja "kein richtiger Zigeuner", da er nur mitgereist sei.

Er sei auf sich alleine gestellt gewesen und sei durch Europa gereist. Die Grenzkontrollen seien leicht gewesen, da er sich immer unter einem LKW bei den Grenzkontrollen festgehalten hätte... .

Das war durchaus nachvollziehbar geschildert. Nun, als Erwachsener war er in Deutschland gestrandet.
Und ohne Existenz und ohne Nachweise hatte er nur das zu tun, was er von Kind an gelernt hatte:

Klauen.

Und so brachte ihn ein Raub eines Handy von einer Dame ins Gefängnis.

Aber das sei doch ok. Er hätte doch alles; das sein keine Strafe und er wolle eigentlich gar nicht raus.

Denn dann wäre er wieder unterwegs in verschiedenen Ländern und müsste wieder klauen. Und (wie schon so oft in der Vergangenheit) wenn er erwischt wird, ins Kittchen.

Hier stellt sich die Frage, was man mit einem solchen Menschen mit unseren Regeln des Strafvollzugsrecht tun sollen.

Eine Resozialisierung findet definitiv nicht statt, da der Kerl einen Dialekt spricht, den sonst niemand in der Haft versteht.
Für die Verhandlung hatten wir drei Dolmetscher geladen um herauszufinden, mit welchem er wenigstens ein wenig reden kann. Und auch das ging nur mit Stolpern.

Also wird der Mandant Endstrafe machen, in der Haft Geld verdienen und mit dem Entlassungsgeld die nächste Reise in das nächste Land und in die nächste Haftanstalt planen.

Traurig.
Aber dies zeigt, dass es nicht nur medial weit weit weg Elend gibt.
Nein.
Dieses gibt es direkt von unserer Türe. .

Nur müssen wir richtig hinsehen.