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Mittwoch, 8. August 2012

meine lieben Mandanten, das Schoppenglas und der § 64

Tja, so sind sie. Meine lieben Mandanten.

Rufen an, es ist super wichtig und müssen ihre neue Handynummer hinterlassen. ... Aber oha. Die Nummer hat der Mandant nicht und sucht bis heute.

Das überlege ich mir doch vorher, oder ?

Na ja. Gestern hatte ich mal wieder das Vergnügen einer Nebenklage. Mein Mandant saß im Bierzelt und hatte aufgrund zuviel Alkohol seinen Kopf auf dem Tisch liegen. Müde halt.

Sein erst auf dem Fest kennengelernter "Kumpel" saß neben ihm. Und versuchte dann mit einer Hand dem Mandanten die Halskette zu öffnen. Klar, um diese zu klauen.

Mandant wird wach und sagt "Ey" und greift nach dem Täter.
Dieser greift sich ein Bierglas und schlägt dem Mandanten das ins Gesicht. Der wird ohnmächtig und sackt zusammen.
Dann wird er irgendwann wieder wach. Die Polizei ist verständigt, aber noch nicht da. Also sucht er ihn auf dem Fest. Also den Täter.
Er findet ihn und will ihn festhalten bis die Polizei kommt. Aber zum Festhalten kommt es erst gar nicht, da der Täter ihm dann drei Schoppengläser wieder ins Gesicht ballert.

Dann ging es nur noch ins Krankenhaus um die Wunde zu nähen... .

Na ja. Die Staatsanwaltschaft hat eine einfache Körperverletzung angeklagt. Der Angeklagte leugnet ob überragender Beweislage die Taten und schildert eine ganz andere Version.

Daher habe ich die Verweisung zur Strafkammer beantragt.

Denn einmal sehe ich den Versuch eines schweren Raub nach § 250 Abs. 2 Nr. 1 Strafgesetzbuch durch das Zuschlagen beim Ablösen der Kette in - ganz klar - Diebstahlsabsicht in Tateinheit mit einer gefährlichen Körperverletzung nach § 244 Abs. 1 Nr. 2 Strafgesetzbuch.
Denn wenn ein Schoppenglas in der Art der vorliegenden Verwendung kein gefährliches Werkzeug ist, weiß ich auch nicht.

Aber Frau Richterin am Amtsgericht hat die Abgabe abgelehnt und nur wegen einfacher Körperverletzung verurteilt.

Bemerkenswert. Aber auch wieder gut, da ich so wenigstens für den Mandanten Nebenkläger Berufung einlegen konnte. ...

Mal sehen, was draus wird. Der Angeklagte bzw. sein Verteidiger hatten einen Freispruch beantragt.
Warten wir es mal ab.

Dann noch heute einen § 64 STGB zur Bewährung mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren ebenfalls - logo - zur Bewährung für einen Mandanten erhalten. Und das bei locker im Raum stehenden vier Jahren Knast.

Ist auch zufrieden und ich auch. Die Verhandlung war nett. Lag aber auch an der netten Besetzung der Kammer und dem netten Staatsanwalt.

Dann mache ich mal weiter im Aktenwälzen... .