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Donnerstag, 21. Juni 2012

Ich glaube, ich spinne. Versuchte Freiheitsberaubung im Amt ?

Da komme ich gerade aus einer Fortsetzungsverhandlung bei der Strafkammer.

Das war belastend genug. Wurde der Angeklagte doch recht zügig blass und fing mit der Hand an zu zittern, als die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer laut mitteilte

"Wachmeister, nehmen Sie den Angeklagten vorläufig fest".

Nicht nur das.
Auch beantragte Frau Staatsanwältin dann noch eine Freiheitsstrafe von neun Jahren.

Das das belastet, ist klar. Aber die weise Kammer hat keinen Haftbefehl erlassen.
Puhhh. Die Entscheidung kommt zur nächsten Verhandlung.

Mal sehen.

Und dann noch ein Wisch vom Landgericht. 
Der Mandant ist mit mir in der ersten Instanz vor dem Strafgericht.
Er wird verurteilt.

Wir legen Berufung ein und beschränken auf den Rechtsfolgenausspruch.

Also warten wir auf die Berufungsverhandlung. Das kann dauern.

Der Mandant ruft an und ist geschockt. Er hat die Ladung zum Strafantritt bekommen. 
Wie bitte ?

Kam mein Berufungsschreiben (die Einlegung) etwa nicht bei Gericht an ?

Kann nicht sein.
Es muss unserem Postausgang nach da sein. Also mache ich Wellen, dass die Akten mal richtig gelesen werden.
Die Staatsanwaltschaft sieht keine Versäumnisse, alles sei rechtskräftig.

Jetzt klärt das Landgericht auf:


Klar, die Berufungseinlegung liegt vor. 


Klar, die Sache ist nicht rechtskräftig. 


Klar, das mit der Ladung zum Strafantritt ist falsch und die Staatsanwaltschaft wird aufgefordert den Stellungsbefehl "kurzfristig" zurückzunehmen. 

Hammmer !
Das nennt der noch immer unter Schock stehende Mandant "versuchte Freiheitsberaubung im Amt"!

Und ich kann nicht widersprechen.

So leicht geht man durch Justizfehler in den Bau.

Gut, dass er mich hatte... . Sonst hätte er schon einen Teil der Strafe (obschon nicht rechtskräftig) abgesessen.

Wetten, die Staatsanwaltschaft entschuldigt sich nicht bei dem Mandanten ?

Der jedenfalls ist wütig und will Strafanzeige erstatten. ...