Wir freuen uns über tolle Bewertungen.

Donnerstag, 5. April 2012

Wir hofieren unsere Angeklagten und ...

Wiedermal bin ich unterwegs im Bundesgebiet.

Zur Strafverteidigung.
Und nun wieder mal an einer Berufungskammer in der Pfalz.

Ich hetzte morgens früh aus dem Haus, kalkuliere einen möglichen Stau und die einhergehende Verzögerung brav ein und fahre rechtzeitig los.

Da erinnere ich mich an meinen Ausbilder im Referendariat. Herr Oberstaatsanwalt H. pflegte immer zu sagen und zu mahnen "Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Preussen Pünktlichkeit".

Das prägte Herr Oberstaatsanwalt in jeder Lehrstunde ein. Egal ob Preusse oder Bayer oder sonst wer. Jeder Referendar hatte zu gehorchen.

Und siehe da:
Es funktionierte.

Vielleicht lag dieses Pflichtbewusstsein auch daran, dass zu meiner Zeit noch 18 Monate Wehrpflicht fast unumgänglich waren.
Ein jeder der beim Bund war, weiß , dass Unpünktlichkeit massive bestraft werden würde.
Und zwar als Bestrafung für die gesamte Gruppe.

Und das war gut so. Denn dann hatte es funktioniert.

Aber wieder zu jetzt und gleich. Ich habe Zeit zu bloggen. 

Denn die Angeklagte erschien nicht zur Terminstunde, sondern teilte dem Geschäftszimmer mit, den Zug nicht rechtzeitig erreicht zu haben.
So in der Art halt. Frau Angeklagte bat darum, doch wenigstens eine Stunde zuzuwarten.

Nun ja.

Ich mache diesen Job schon recht lange.
Aber das dies keine ordnungsgemäße Entschuldigung ist, wird jedem einigermaßen verständlichen Juristen klar sein.

Aber egal. Hey, wir sind Dienstleister. 

Ich frage also den Vorsitzenden, ob das hier in der Pfalz als ordnungsgemäße Entschuldigung ausreichend sei.

Im Saarland (dort bin ich halt Öfters an Berufungskammern) wäre die Berufung ratzfatz mangels ordnungsgemäßer Entschuldigung verworfen worden.

Aber hier läuft das anders.
Denn - so das hohe Gericht - es könnte dann ja ein Wiedereinsetzungsantrag kommen und das OLG... . Man weiß ja nicht was die damit machen.

Aha. Höre ich das eine gewisse "Angst" vor aufhebenden Entscheidungen heraus ?

Weiter im Sinne des Vorsitzenden:
Schließlich sei die Justiz ja ein Dienstleistungsunternehmen. 

Ich verstehe.
Ich lerne dazu und frage mich still, warum ich mich dann abhetze und nicht einfach ausschlafe und anrufe "Hey, ich fahre jetzt los".

Warum mache ich mir jeden Tag den Stress ?

Aber nein. Ich bin pünktlich. Denn wenn wir Verteidiger zu spät zu einem Termin kommen, bekommen wir grobe, verbale Schläge... .

Aber wir sind ja auch die Weltverpasser, die noch so dämlich sind und morgens aufstehen.

Warum werden Zeugen eigentlich noch geladen ?


Sollten wir Zeugen / Angeklagte nicht einladen ?


So mit Gutschein für Bier und einen Schwenker ?
Dann stellen wir doch einfach einen Wachmeister in den Hof und lassen die Kunden des Dienstleistungsunternehmens Justiz die Bewirtung durchführen.

Dann kommt die Kundschaft vielleicht pünktlich oder gar überhaupt.

Wäre mal ein Dienstleistungsversuch wert.

Mir persönlich jedenfalls platzt der Kragen, wenn ich sehe, dass gerade die Angeklagten / Zeugen die den ganzen Tag nix schaffen und null Verantwortung haben, die Dienstleistungsgesellschaft Justiz derart ausnutzen.

Und wir schauen zu und haben noch behördlich angeordnetes Verständnis.

So, dann warten wir mal weiter bis zur Stunde x.

Das musste heute mal gesagt werden.