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Mittwoch, 25. April 2012

Kindesmissbrauch? Verteidigung mit Verstand. Mal sehen, was draus wird.

Es liegt auf der Hand.
Für die EINEN blogge ich viel zu wenig und ich werde angefeuert, mehr zu bloggen.

Die ANDEREN (meist aus Justizkreisen) sehen das anders.
Für die blogge ich viel zu viel.
Aber durch deren Kritik bin ich jedenfalls sicher, dass auch aus Justizkreisen meine Blogs gelesen werden.

So ist das.
Am Montag fing es dann an mit einer angeblichen Mißbrauchsgeschichte vor dem örtlichen Landgericht.

Und auf der Anklagebank sitzt mein Mandant; ein seit Jahrzehnten anerkannter Psychotherapeut. Gehobenen Alters.

Der Mandant bestreitet die Vorwürfe und erklärt diese mit der Grunderkrankung - Schizophrenie mit nazistischem Verfolgungswahn - des Kindes.

Gerade deshalb sei das Kind ja bei ihm in Behandlung gewesen.

Aha. Das könnte also eine Kernfrage sein.
Aber diese Frage hatte bisher noch niemand gestellt.

Umso erschreckender, dass die Staatsanwaltschaft ohne jegliches Hinterfragen mal eine Anklage allein auf Grundlage der Aussage des Kindes raushaut und das Landgericht dann ebenso unkritisch eröffnet.

Offenbar kam niemanden bisher die Idee mal zu hinterfragen, warum das Kind überhaupt in therapeutischer Behandlung bei dem jetzt Angeklagten gewesen war... .

Was, wenn sich die Beschuldigungen gegenüber dem Angeklagten als logische Konsequenz der Grunderkrankung des Kindes zeigen ?

Dann wäre die Existenz des Angeklagten mit einer Leichtfertigkeit zerstört, die seinesgleichen sucht.

Von ordnungsgemäßen, geschweige denn intelligenten Ermittlungen mal ganz abgesehen.

Nein.
Was ein Angeklagter persönlich mit einer Anklage durchleidet, ist den Justizorgangen meist völlig gleichgültig.

Nicht einmal die Krankenakte wurden beigezogen oder gar die Befunde des Angeklagten hinterfragt

(Frau Staatsanwältin, keine Sorge. Der Angeklagte hatte Ihnen ja verraten, dass ich die Krankenakte habe. Sie können sich einen Durchsuchungs- Beschlagnahmebeschluss ersparen
Ich lege die Krankenakte im nächsten Termin dem Gericht vor ! 
Wenn Sie aber trotzdem durchsuchen und beschlagnahmen wollen; die Akte liegt bereit. 
Auch bekommen Sie dann eine Tasse Kaffee und einen Keks.)

Also muss ich durch zahlreiche Beweisanträge versuchen das nachzuholen, was eigentlich originäre Aufgabe der Staatsanwaltschaft war.
Nämlich auch entlastende Umstände zu ermitteln und den Sachverhalt vom Grund an zu hinterfragen und aufzuklären.

Die Sache ist ärgerlich, aber
"hey" 
dafür sind Strafverteidiger da.
Für deren Mandanten die richtigen Anträge zu stellen, die vorher verpennt wurden.

So berichtet dann auch die Presse über das Verfahren:

Die Antragsflut ist von mir jedenfalls vorbereitet; der Kampf um das RECHT kann beginnen.

Ach ja: 

Viele werden sagen, das man "Kinderschänder" nicht verteidigen sollte. 
Das ist rechtlich und tatsächlich Quatsch.

Denn erstens haben auch solche Angeklagten einen rechtsstaatlichen Anspruch auf einen Verteidiger.

Und zweitens sollte vorliegender Fall zeigen, wie schnell man als unbescholtener Bürger mit einem solchen Vorwurf konfrontiert werden kann.

Vielleicht auch zu Unrecht !

Und hierüber sollte sich jeder, der mit Steinen wirft, gut Gedanken machen. ... Nicht, dass diese Personen auch mal einen Verteidiger brauchen... .