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Montag, 30. April 2012

50 Jahre ohne Unfall...

Neben den ganzen Großverfahren heute mal eine etwas kleinere Sache.

Nötigung im Straßenverkehr.
Der Mandant lässt sich nicht ein. Also starten wir mal in der Beweisaufnahme durch... .

Der Anzeiger. Männlich und 76 Jahre alt.

Warum er den Angeklagten erkannt hat ? Na ja. Er hat kurze Haare, fast Glatze.

Aha. Ein Heck - Erkenner. Sonst hat er ja nichts gesehen.

Dann regt sich der Zeuge auf.

Auf dem Beschleunigungsstreifen der Auffahrt zur Autobahn sei der Angeklagte einfach rechts vorbeigefahren.

Aha. Aber das ist doch zulässig. NEIN. Antwortete der Zeuge und fragt mich wie ich auf einen solchen Quatsch käme. 

Er würde schon 50 Jahre ohne Unfall fahren. 

Aha.
Ich frage "Und wie schnell?"

Er ohne meinen Sarkasmus zu bemerken "So 60 bis maximal 90 KM/h".

Ich frage "Auf der Autobahn ?"

Er JA.

Hammer. Dann ist mir alles klar. Egal, wer der Täter ist, ich verstehe ihn.

Der Zeuge lässt aber nicht ab und schildert weiter, dass der Angeklagte dann ja mit seinem BMW vor ihm gefahren sei.

So 150 bis 200 Meter vor ihm.

Dann wäre der Angeklagte aber langsamer geworden und er - der Zeuge - hätte eine NOTBREMSUNG machen müssen, um nicht aufzufahren.

Hmmm.
Ich frage "Warum haben Sie nicht einfach links überholt ?

Und wieder werde ich belehrt.

Ob ich wüsste wie gefährlich Autobahnen sind und was da für Unfälle mit Toten, Kindern und sonst was passieren könne.

Ich "Wenn man überholt ?"

Er "Klar. Das ist doch bekannt. Daher überhole ich nicht".

Kopfschüttelnd kann ich dem armen Referendar nur anraten mal bei dem Zeugen die Fahreignung testen zu lassen.

Aber egal. Wir haben ja noch eine Zeugin. Beifahrerin des vorigen Zeugen.

Und die legt direkt los

"Ich fahre seit 40 Jahren unfallfrei...".

Ich gebe mich geschlagen. So was halte ich nur einmal am Tag aus aus...