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Freitag, 23. März 2012

Unschuldig in Haft ? Ein Tatsachenbericht.

Die BILD (ja, ich lese die !!!) schreibt heute:

Unschuldig in Haft

Ich erinnere mich.

Das kennt jeder Strafverteidiger.
Leider ist das keine Seltenheit.

Da die Justiz aber zu häufig von zu jungen und vor allem zu unerfahrenen (ich meine LEBENSERFAHRUNG) ist, kommen Fehler vor.

Und das Strafverteidiger sowieso nie Recht haben (wir vertreten ja das Übel der Welt), wird weggesperrt und angeklagt.
Klar, es wird eine Vielzahl von Verfahren eingestellt.

Aber dennoch:

Durch Einzelentscheidungen werden Individuen zerstört. Und das oft leichtfertig.

Nicht nur in dem Fall oben.

Ich hatte letzte Woche auch so einen armen Kerl.

Hier mein Tatsachenbericht, der mir grad einfällt, da grad geschehen.

Er war bzw. ist amerikanischer Abstammung und Mitte 20. Ich nenne ihn einfach mal Ami.

Und:
polizeibekannt wegen Kleinkram - Delikten.


Dann wurde mal wieder ein Spielothek überfallen. Mit Waffe und allem drum und dran.

Aber der Täter war dämlich. Er wurde vorher in der Spielothek gefilmt, wie er am Automaten saß und alles ausbaldoverte.

Dann Waffe gezogen Geld her und raus.

Das wars. Es gab keine Spuren.

Dafür aber übereifrige Polizeibeamte und einen Verräter, der schon zig Leute verzinkt hat und damit seinen Haftbefehl aufgehoben gekommen hat (tja. Verräter werden belohnt).

Und dieser Verräter hatte auch viel mit Überfällen auf Spielotheken zu tun und wurde von der Polizeistaffel gefragt, ob der den Menschen auf dem Foto der Überwachungkamera kennen würde.


Nun war der Verräter in der Predulie. Er musste ja weiter Polizeiarbeit leisten und verraten was das Zeug hält.

Also macht die Polizei eine Wahlbildvorlage mit einem Foto (ähhhm. So ist die Praxis, wenn auch rechtswidrig).

Und der Polizeiknechtbeamte ruft:

Ja, ich erkenne den Ami eindeutig.

Der Polizeibeamte ist froh den Fall bald abgeschlossen zu haben und pinselt seinen Vermerk


"Der Ami wurde eindeutig von dem Zeugen O. erkannt. Auch ich bin mir 100 % tig sicher, dass es sich bei dem Ami um den Täter handelt. Ich erkenne ihn zu 100 %".

Dann kam, was kommen musste.

Ein Haftbefehl.
Ich gehe mit hin und sehe mir die Bilder in der Ermittlungsakte an.

Für mich war klar erkennbar:

Der Täter hatte einen sog. Ohrtunnel.
Recht groß am rechten Ohr.

Also zurück zum Mandanten. Eine Inaugenscheinnahme durch mich.
Der hat intakte Ohren und nicht einmal einen Ohrring. 

Ich weise den Haftrichter darauf hin, aber da der Polizist sich auch sicher war, wurde der Ami verhaftet.

Klar, dass ich gleich zu Protokoll einen entlastenden Beweisantrag formulierte.

Nämlich die Einholung eines Sachverständigengutachtens, ob der Täter wirklich der Ami ist.

Dann Ruhe.
Der Ami sitzt ja gut und verliert seine Existenz und seine gut bürgerliche Freundin.

Nach zwei Wochen kommt die formlose Mitteilung der Staatsanwaltschaft

"Am xy wurde Herr Ami aus der Haft entlassen".

Aha.

Hatte ich doch recht. 

Aber Verrätern und Polizisten wird immer geglaubt.
Da können wir dumme Verteidiger sagen was wir wollen.

Glaubt nicht, dass sich irgendjemand bei dem Ami bis heute entschuldigt hätte.

Nein.

Vermutlich wird dieser kleine Irrtum runtergespielt und der Verräter verzinkt weiter, was die Polizei von ihm erwartet.

Das ist die Praxis. 

Gerechtigkeit suche ich jeden Tag aufs Neue.