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Freitag, 10. Februar 2012

Wenn ich mich aufrege...

Tja, wenn es in mir kocht, wenn ich mich aufrege... dann meist während meiner Tätigkeit als Strafverteidiger in Strafsachen.

Wieder "tja".
Ich bin geständig. Es kommt vor. Häufig und aus vollem Engagement.

Ich rege mich auf; ich "koche" wenn ich von Zeugen angelogen werde und ich die Lüge nachweisen kann.

Wenn Zeugen meinen sie sind schlau und raffiniert und blicken nicht, wie dumm deren Bekundungen sind.

Oder wenn ich merke, dass andere Verfahrensbeteiligte von einfachsten Vorgängen in der freien Marktwirtschaft schlicht keine Ahnung haben und nicht mal die Ermittlungsbehörden die einfachsten Ermittlungen zur Sachverhaltsaufklärung vorgenommen haben.

Es ist doch nicht meine Aufgabe als Verteidiger die Ermittlungen während des Ermittlungsverfahrens zu leiten oder gar Tipps zu geben.
Wenn dann aber eine Anklage mit einer "wird schon stimmen" Mentalität gezimmert wird, platze ich.

Für den Angeklagten geht es immerhin um was und kein Verfahrensbeteiligter sollte es sich zu leicht machen.

Theorie und Praxis halt.

Erst gestern sagte mir ein pfälzischer Strafrichter

"Ruhig bleiben, Herr Verteidiger. Wir machen jetzt mal fünf Minuten Pause ... ".

Das ich auch nach den nun schon Jahren meiner Verteidigertätigkeit es immer noch nicht geschafft habe, mit einem sog. Scheiß-Egal-Gefühl zu verteidigen, verwundert mich.

Eigentlich aber auch nicht. Denn die Mandanten "buchen" mich wohl deshalb, weil ich mich einsetzte und mich auch über offensichtliche Ungerechtigkeiten aufrege.

Vielleicht macht mich dies für die Einen menschlich. Für die Anderen bin ich wohl deshalb eher ein cholerischer Idiot.

Auch egal.


Jedenfalls kam ich gerade aus einer Strafsache. Anklage gewerbsmäßiger Betrug. Im ersten Rechtsgespräch bot die Staatsgewalt eine Freitheitsstrafe von 1 Jahr und sechs Monaten an. Nein. Abgelehnt.
Also haben wir verhandelt und zig Zeugen vernommen.
Zwischenzeitlich kam ein weiterer Strafbefehl für den Angeklagten mit Tagessätzen. Einspruch wurde eingelegt. Klar.

Also verhandeln wir mal fleißig den gewerbsmäßigen Betrug. Und das Ergebnis ist ok. Der gewerbsmäßige Betrug mit einer Schadenssumme von € 22.000 haben wir nach § 154 II STPO (Strafprozessordnung) eingestellt und den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückgenommen.
Dort war der Tatnachweis nach Aktenlage völlig klar.

Aber dafür das eine Freiheitsstrafe im Raum stand, ist das Ergebnis super.

Ende für heute.