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Montag, 30. Januar 2012

Chantal und die Praxis von Jugendämtern. Eine subjektive Betrachtung.

Meine Gedanken von heute:

http://www.bild.de/regional/hamburg/kriminalfall-chantal/jugendamt-und-sozialverband-im-visier-staatsanwaltschaft-22357024.bild.html

Ja ja. 
Der Fall Chantal.

Wieder einmal musste ein junges Menschenkind der Inkompetenz von Behörden (?) weichen.
Und sterben.

Das ist allerhand, aber doch an der Tagesordnung in unserem gesegneten Land.

Junkies (der Begriff ist nicht abwertend gemeint !) bekommen Pflegekinder aufgrund von Empfehlungsschreiben von Sozialarbeitern und so weiter.
Und das Jugendamt will nicht gewusst haben, dass die Eltern Junkies sind ?

Ich glaube denen das sogar.
Denn wenn man die Augen und Ohren verschließt, bekommt man nichts mit.

Ich weiß es zwar nicht, aber ich bin mir aber fast sicher, dass die Pflegeeltern wegen typischer Drogendelikte vorbestraft sind.
Beschaffungskriminalität ist sicher im Register verzeichnet.

Aber ich bin mir auch sicher, dass da nie einer reingeschaut hat. Zumindest bis es zu dem Versterben des Kindes kam.

Und sicherlich auch nicht in den Junkie - Kühlschrank in dem das Methadon lagerte.

Wahrscheinlich wussten die Sozialarbeiter nicht mal was Methadon ist.

Oder fallen auf die bekannte Lügengeschichte rein, dass es sich um Ex - Junkies handelt die clean seien.

Ich falle vom Stuhl. Lächerlich.

Jeder, der nur ein wenig mit den sog. Junkies und den Drogengeschichten zu tun hat weiß, dass es nur ca. 0,1 % wirklich cleane Junkies gibt.
Alle anderen konsumieren zwar weniger als täglich, aber doch ab und zu.

Auch, wenn dies - aus welchen Gründen auch immer - verdrängt und meist nicht bestätigt wird.

Aber das ist die Wahrheit.

Aber die Krux liegt doch im System.
Und den Auswahlverfahren der Ämter.

Ich weiß dies zumindest von den örtlichen Ämtern hier vor Ort.

Und hier wird darauf geachtet, dass die Pflegeeltern aus derselben Kaste wie die wirklichen Eltern stammen.

Denn wenn die Kinder irgendwann zurückgeführt werden, soll der Unterschied nicht zu groß sein.

Sprich:
Ein eigenes Haus und nicht - schlagende Eltern gehen da schon mal gar nicht.

Dann will das Pflegekind vielleicht ja nie wieder zurück zu den leiblichen Eltern... .

Um das zu verhindern (klar, jedes Kind bleibt lieber im Schloss als in der Gosse) werden eben sozialadäquate Eltern gesucht.

Und da kommen auch Ex (?) Junkies gerne in Betracht... .

Das die die Kinder gerne nehmen, ist doch klar.
Der nächste Schuss wird vom Amt gezahlt.

Dafür habe ich sogar Verständnis. Dummheit muss man ausnutzen.

Die Krux liegt im System.
Und die Verantwortlichen der Ämter die solche Regeln aufstellen und nicht in der Lage sind (oder sich zulullen) lassen, sollten für die Folgen deren Fehlentscheidungen vor Gericht gestellt werden.

Aber gehängt wird nur der kleine Mann.

Das Beamte wegen Fehlentscheidungen vor den Kadi kamen und kommen, ist denkbar selten.

Das wundert den Praktiker aber auch nicht mehr.

Und Herr Bundespräsident Wulff scheint ja entsprechend diesselbe Ethik zu vertreten.
Saubermannpolitik.
Der Bauer wird geopfert. So war es immer und so wird es immer sein.

Schade nur für das Kind.

So ist unser Leben. Grausam, unethisch und teilweise nur abstoßend.

Da fällt es nicht weiter ins Gewicht, dass ich erst noch am Samstag Abend wieder beim Haftrichter - Bereitsschaftsgericht - saß und mir den Mund fusselig redete um dem Gericht zu erklären, dass jemand, der nicht an der AB Straße wohnt, dort auch keine Zustellungen erhalten kann.

Das wäre allenfalls ein Verstoß gegen das Meldegesetz.
Eine Zustellung kann aber nicht wirksam bewirkt werden.

Und der Mandant konnte nachweisen aus der Wohnung der Meldeadresse zwangsgeräumt worden zu sein.

Fazit: 
Ich konnte ihn wieder mitnehmen; der Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt.

Dann habe ich heute noch eine Bomben - Einstellung nach § 254 II STPO hinbekommen.

Der Mandant ist wegen mehrfachen Betruges angeklagt und bringt schon zwei Jahre Freiheitsstrafe mit Bewährung mit.
Zur Einstellung kam es nachdem der Angeklagte einfach nicht vor Gericht erschien.
Mal war er verhandlungsunfähig erkrankt, mal ... . Aber ich bin kein Arzt.

Aber die Sache ist weg und der Mandant kann beruhigt schlafen.

Oder auch nicht, denn er will demnächst noch eine andere Vorladung vorbeibringen.

Manche lernen eben langsamer als andere.

Gerade noch ein Raubmandat angenommen und jetzt muss ich weg.



Der Tag geht weiter.