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Dienstag, 15. November 2011

"Das ist ein Überfall. Geld her".


Und wieder neigt sich ein Tag der Dunkelheit und somit seinem Ende zu.
Und wieder gehen in allen Haushalten dank der Winterzeit zur Energieverschwendung Lampen an.

Und wieder … .

Immer wieder.
Heute hatte ich mal (wieder) vor einer Strafkammer eine schwere räuberische Erpressung.
Hört sich massiv an, ist aber nicht mehr und nicht weniger als ein „Überfall, her mit dem Geld“.
So in der Art jedenfalls.
Der Angeklagte hatte eigentlich gar nichts Böses vor und schlenderte so die Straße entlang und entschloss sich dann kurz in eine Tanke einzukehren um dort Geld zu holen.

Klar, nicht vom Automaten, sondern von der Kassiererin. Ohne Geldkarte, sondern mit vorgehaltenem Messer und mit bösen, drohenden Worten.

Das gab dann so erstaunliche € 200,00.

Hat sich von daher nicht wirklich gelohnt und der Angeklagte selbst könnte sich wohl für diesen Schwachsinn auspeitschen.

Aber es ist halt passiert und die Untersuchungshaft dauert ja auch schon ein paar Monate.

Die Anklage warf dem Angeklagten vor, ein Messer bei dem Überfall vorgehalten zu haben.
Der Angeklagte aber selbst stritt die Anwendung eines Messer an und sagte es sei nur ein Holzstock gewesen.

Wie es immer so kommt, kam es mal wieder.
Der Vorsitzende Richter wies auf die Milderung hin die im Falle eines „Geständnisses im Sinne der Anklage, also mit der Messeranwendung“ kommen würde und … der Angeklagte gestand.

Komisch, wenn Verteidiger die Mandanten / Angeklagten derart „unter Druck“ setzen würden um eine Aussage zu bekommen, stand schon so mancher Kollege wegen dem Vorwurf der – zumindest versuchten – Strafvereitelung vor Gericht oder hatte zumindest ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft am Hals.

Daher ist jeder Verteidiger gut beraten, den Mandanten nie zu einem „Scheingeständnis“ oder wie man das nennen mag, zu raten oder ihn zu begleiten.

Wenn aber von gerichtlicher Seite (sagen wir mal) eine entsprechende Kulisse aufgebaut wird, ist dagegen nichts zu sagen.

Also besann sich der Angeklagte, dass es doch ein Messer gewesen war und wir konnten auf alle Zeugen (denn wir hatten nun ein Geständnis vorliegen) verzichten und waren ratzfatz in einer Stunde mit der Verhandlung durch.

Das Ergebnis passte sehr gut und der Angeklagte erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Logo, mit einem minder schweren Fall.

Super Ergebnis für die Sache und wohl auch dem Umstand geschuldet, dass ich als Verteidiger in dem Rechtsgespräch dezent darauf hinwies, dass man in der Sache noch zig Sachverständigengutachten hätte einholen müssen um die Sache auch gegenüber dem BGH fest zu machen.

Aber das Ergebnis ist gut und der Mandant ist happy.
Frau Staatsanwältin war eh nett wie immer (Kompliment für die Ausgelassenheit und gute Stimmung J) so dass die Sache rechtskräftig werden wird.

Ach ja. Das Opfer / Kassiererin war auch lustig. Sie geht nicht zum Psychologen wegen Folgen der Tat und so da sie schon mal Weihnachten 09 überfallen worden sei und die Gespräche eh nichts bringen würden.

Respekt. Taff !
Und keine Mitleidstour. Wirklich.
 Hat mir gut gefallen. Sehr ehrlich, so eine Aussage.

Erfahrungen passieren halt ob man will oder nicht.
Aber sich daran ewig aufzuhalten und noch eine Psychose zu riskieren ?
Nein.
Weitermachen im Leben und die Sonne (wenn sie denn mal scheint) genießen.
Das gefällt mir.

Dann gab es noch zig Mandantenbesprechungen in der Kanzlei.
Ganz besonders gefreut hatte mich der Besuch eines Mandanten, der vor Monaten aus der U- Haft entlassen worden war und nicht müde wird, mir meine Bezahlung zuzusichern.

Schade, dass wir über das Stadium der Zusicherung bisher nicht raus gekommen sind… .

Aber manchmal reicht ja schon der gute Wille und Weihnachten ist ja auch bald.

Von daher mache ich jetzt Schluss.

How. Habe gesprochen.