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Montag, 28. Februar 2011

Richter(s)wort

Am Freitag letzte Woche ging es mal wieder um einen Fall der gefährlichen Körperverletzung. Einhergehend mit Beleidigung. Nichts besonderes also. Außer folgendem: der zuständige Richter rief mich schon vor Wochen an, da in der Sache ein Haftbefehl rumdümpelte, der eigentlich hätte verkündet sein sollen. Auch wollte er die Hauptverhandlung vorbesprechen. Aber im Haftbefehlsverkündungstermin konnte mir die damals zuständige Richterin viele Dinge anhand der Akte nicht erklären und verzichtete daher auf die Verkündung. Gut. Jedenfalls rief der Richter vor Wochen schon an und "einigte" sich mit mir als Verteidiger auf eine unstressige Verhandlung ohne Kampf und Beweisanträge mit dem Ergebnis, dass - die Tat geschah 2005 ! - Bewährung rauskommen würde. OK. So hatte ich das jedenfalls verstanden und so finde ich das in meinem Telefonvermerk. Dann haben wir heute halt verhandelt und die Opferzeugen "schonenend befragt". Im Plädoyer der Staatsanwaltschaft gibt die Referendarin noch die ausdrücklich erwähnte positive Prognose wider. Vergisst aber das Wort Bewährung. Ich dachte; ok. Ist eine Referendarin. Der Richter wird es schon richten. Aber auch der vergaß das Wort Bewährung im Urteilsausspruch. 
Nach Schluss der Hauptverhandlung sprach ich den Richter auf das Telefonat an, was er aber - wenn wundert es - ganz anders in Erinnerung hatte. Aber wir hatten halt auch kein formelles Rechtsgespräch.
Fazit für mich: mit diesem Richter werde ich definitiv nie wieder im Vorfeld von Hauptverhandlungen telefonieren. Nur noch als Rechtsgespräch zu Protokoll. So gehts ja nicht. ... . Aber das ist halt das Risiko aus Telefonaten. 
Das dabei der Zeugenbeistand noch mit Robe im Saal anwesend war, ist schon nicht mehr erwähnenswert.