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Samstag, 30. Oktober 2010

Vergewaltigung ?

Die Saarbrücker Zeitung berichtete am 28.10.2010:



Azubi (24) wegen Vergewaltigung vor Gericht
Von SZ-Mitarbeiter Helmut Jakob
Saarbrücken.

Gestern begann vor einer großen Strafkammer des Saarbrücker
Landgerichts der Prozess gegen einen 24-jährigen Auszubildenden. Der Mann soll eine
Bekannte vergewaltigt haben. So steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft
und so schilderte es gestern das mutmaßliche Opfer (21) als Zeugin dem Gericht.
Sie sei gelernte Verkäuferin und bereitet sich auf das Fachabitur vor. Sie kenne den
Angeklagten schon länger, erzählte die gelernte Verkäuferin. Ein Mal hätten sie auch Sex
miteinander gehabt. Aber danach habe sich der 24-Jährige von ihr zurückgezogen.
Schließlich hätte er eine andere Freundin und sie auch einen anderen Freund gehabt.
Unter einer großen Tanne
Die Tat soll in der Nacht vor dem Vatertag des vergangenen Jahres geschehen sein. Viele
junge Leute hätten den Abend auf den Wiesen entlang der Saar verbracht. So auch die
junge Frau, der Angeklagte und weitere Bekannte. Sie hätten eine Picknickdecke und
einen Alkoholvorrat dabeigehabt. Im Verlauf des Abends habe er mit ihr allein ein paar
Schritte gehen wollen. Dann habe er sie unter eine große Tanne gezerrt, wo er sich an ihr vergangen haben soll.
Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Alles sei freiwillig gewesen. Eigentlich habe er
überhaupt nichts von der Frau gewollt. Aber sie habe die Initiative ergriffen. Da habe er
halt mitgemacht. „Es waren noch verdammt viele Leute am Staden, die hätten
einschreiten können, wenn sie geschrien hätte“, erklärte er vor Gericht. Hinterher habe er
ein schlechtes Gewissen gehabt – seiner jetzigen Freundin gegenüber. Der Prozess wird
fortgesetzt.
Beitrag vom: 28.10.2010, 01:56



Nun ja:


Der arme Kerl wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Klar, dass wir REVISION einlegen.
Ich mache den Job der Strafverteidigung schon sehr sehr lange.


Und muss sagen:

Ich persönlich halte das Urteil

(wie übrigens viele Zuschauer die die Beweisaufnahme miterleben durften)

auch für unrichtig.
Wir rechneten mit einem FREISPRUCH bereits in der ersten Instanz.



Das Gericht hätte in dubio pro reo einen Freispruch verkünden müssen.

Das ist meine Rechtsauffassung.

Immerhin stand Aussage gegen Aussage.

Sonst nur Vermutungen und Indizien.

Keine unmittelbaren Zeugen.

Mit einem Beweisantrag über mehrere Seiten beantragte ich ein Glaubwürdigkeitsgutachten über die Zeugin.

Das Gericht kam dem nicht nach !
Besonders bemerkenswert war in dem Verfahren, dass die Polizei zwei wesentliche Zeugen nie ermittelte und wir erst durch Beweisanträge diese Zeugen in das Verfahren einführen mussten.

Eigenlich eine Arbeit für die Polizei.

Aber - vielleicht - war die Akte zu schnell geschlossen ? So dass auch Videoaufnahmen einer Hausüberwachungsmaßnahme nicht beschlagnahmt wurden ... .


Fazit und Lehre:

Als Mann in einem Vergewaltigungs- / Mißbrauchsprozess ist es immer schwer.
Den Opfern wird zumeist nach einer eindrucksvollen Zeugenaussage unter Tränen geglaubt.

Leider setzt sich das Gericht zu oft nicht mit unbewussten Falschaussagen auseinander.
Was m.E. in dem vorliegenden Fall wirklich geschehen war, ist völlig offen.



Ich denke, durch das Urteil ist der verurteilte, junge Mann gebrochen.

Für sein künftiges Leben.



Und wenn die Tat wirklich nicht geschehen war,
das angebliche Opfer auch.



Kein Mensch wird einfach darüber hinwegkommen, einen anderen unschuldig in Haft gebracht zu haben.



Was - wie gesagt - wirklich gewesen war, wissen nur Täter und die Opferzeugin... .



Die Hauptverhandlung hat die Tat m.E. nicht erwiesen weshalb der Mandant hätte freigesprochen werden müssen.


Manchmal ist der Job echt hart! Gerade, wenn er es doch gewesen sein sollte ... .


Wir werden in der nächsten Instanz weiter kämpfen.